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Standards im Telekommunikationsumfeld

Wer den legalen Stand der Dinge in der nationalen Telekommunikationswelt festlegt, variiert stark von Land zu Land. Bis vor wenigen Jahren gehörte die BRD zu jener Kategorie von Ländern, in denen eine Regierungsbehörde1.10 monopolistisch alle Standards im Kommunikationsbereich verwaltete und festlegte. Dazu gehörten u.a. Postdienst und Fernmeldedienste (e.g. Telegraphie, Telefon). In den meisten Ländern der Erde ist die Situation nach wie vor sehr ähnlich. Nach dem Vorbild der amerikanischen Telefongesellschaft AT&T, die 1984 in mehrere unabhängige Gesellschaften aufgelöst wurde, wurde Mitte der 90er Jahre die Deutsche Bundespost in mehrere eigenständige und unabhängige Gesellschaften aufgeteilt (Post AG, Telekom, Postbank). Denn man erkannte selbst hier, daß Konkurrenz das Geschäft belebt. Weltweit beobachtet man, daß die Monopolstrukturen der Regierungsbehörden aufgebrochen werden, die Tendenz geht eindeutig hin zur Privatisierung und Liberalisierung des Kommunikationsmarktes. Da es unterschiedliche Anbieter von Telekommunikationsdienste sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene gibt, bedarf es einer gewissen Kompatibilität auf globaler Ebene. Dies allein zum Beispiel zu dem banalen Zweck, daß Menschen (und Computer) mit ihren Artgenossen in anderen Ländern telefonieren (bzw. Daten austauschen) können. Bereits im Jahre 1865 trafen sich eine Reihe von europäischen Regierungsvertretern, um den Vorläufer der heutigen ITU (International Telecommunication Union) zu gründen. Die Aufgabe der ITU war die Standardisierung der internationalen Telekommunikation, was seinerzeit natürlich die Telegraphie betraf. Bereits damals erkannte man, daß man mit einem Problem konfrontiert wird, wenn die Hälfte der Länder den Morse-Code für die telegraphische Übermittlung benutzt, die andere Hälfte der Länder irgend einen anderen Code.

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Im Jahre 1947 wurde die ITU der UNO zugeordnet mit Sitz in Genf (Schweiz). Die ITU baut sich aus drei Hauptabteilungen auf:
  1. der Radio-Kommunikationsbereich (ITU-R)
  2. der Telekommunikations-Standardisierungsbereich (ITU-T)
  3. der Entwicklungsbereich (ITU-D)
Der Radio-Kommunikationssektor ITU-R befaßt sich mit der weltweiten Zuteilung der Radiofrequenzen für die rivalisierenden Interessengruppen. Die ITU-T war von 1956 bis 1993 unter dem Namen CCITT1.11 bekannt und wurde 1993 aus verwaltungstechnischen Gründen reorganisiert und firmiert seitdem als ITU-T. Dennoch begegnet man heute noch den CCITT Empfehlungen, z.B. die CCITT-X.25, obwohl diese Standards ab 1995 die ITU Bezeichnung führen. Die ITU-T hat fünf Klassen von Mitgliedern:
  1. Regierungsbehörden (e.g. nationale Postbehörden)
  2. Anerkannte private Organisationen (e.g. AT&T, British Telecom, Deutsche Telekom)
  3. Regionale Telekommunikationsverbände (europ. ETST)
  4. Anbieter von Telekommunikationsprodukten und wissenschaftliche Organisationen
  5. sonstige Organisationen (e.g. Banken, Fluggesellschaften)
Die Aufgabe der ITU-T besteht darin, technische Empfehlungen für Schnittstellen im Telekommunikationsbereich zu erstellen. Diese Empfehlunge bilden oftmals die Grundlage international anerkannter Standards. Beispiel: Die V.24 Schnittstelle (auch unter RS-232 bekannt) , die die Verteilung und Bedeutung der unterschiedlichen Pins der seriellen Schnittstelle am Computer festlegt. Seit kurzem ist die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post1.12 mit Sitz in Bonn für die Einhaltung und Zuteilung von Standards im Telekommunikationsbereich in Deutschland zuständig.
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Yasar Arman
2000-05-15