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Kurze Geschichte der Computer-Netze

In grauer Vorzeit, zu Beginn der kommerziell betriebenen Datenverarbeitung, gab es ausschließlich zentrale Datenverarbeitung. Der Computer in Form eines riesigen Blechkastens1.1 stand in einem separaten, klimatisierten Raum und konnte nur von Spezialisten bedient werden. Bis in die 70er Jahre (dieses Jahrhunderts, wohlgemerkt) bestand eine gemeine EDV-Anlage aus einem Zentralrechner und den ihm angeschlossenen peripheren Geräten. Die Datenverarbeitung erfolgte zentral in einem Rechenzentrum, größere Rechenzentren besaßen mitunter auch mehrere Computer, jeder dieser Rechner arbeitete aber völlig eigenständig. Im Laufe der Zeit wurden diese Großrechnersysteme weiter ausgebaut und bedienerfreundlicher gestaltet, so daß auch nichtspezialisierte Anwender über sogenannte Terminals dialogorientiert von ihrem Schreibtisch aus den Großrechner nutzen konnten. Mit der Zeit traten dann Probleme in der Form auf, daß sowohl die Zentralen als auch Zweigstellen von Firmen über EDV verfügen mußten, und es wuchs das Problem, die Daten zwischen Zentrale und Filiale austauschen zu müssen. Anfangs funktionierte dies über postalischen Lochkartenstapelaustausch - d.h. es wurden (turmhohe) Lochkartenstapel per Post zwischen Filiale und Zentrale hin- und hergeschickt, später durch Verschicken von Magnetbändern. Eine Revolution stellten dann einfache Daten-Fernübertragungen (DFÜ) dar. In der Anfangszeit handelte es sich dabei aber um reine Punkt - zu - Punkt - Verbindungen. Mit dieser Rechner-Rechner-Kopplung war es aber nicht möglich, mit einem Terminal an einem Ort X an einem Host in einer entfernten Stadt Y zu arbeiten1.2. Was lediglich ermöglicht wurde war ein Datenaustausch zwischen den lokalen Rechnern. Der folgende Schritt in der Entwicklung von Rechnernetzen war die Einführung von Dialogterminals, mit deren Hilfe es möglich war, über Telefonverbindungen an weit entfernten Hosts zu arbeiten. Diese Punkt-zu-Punkt Verbindungen wurden zu Mehr-Punkt-Verbindungen erweitert, wodurch mehrere Rechner und deren Anwender miteinander verbunden wurden - mit anderen Worten, es entstanden die ersten Fernnetze mit der Zielsetzung, Nachrichten zwischen beliebigen Teilnehmern auszutauschen und gemeinsame Datenbestände nutzen zu können. Dadurch wurde der komplizierte und fehlerträchtige Datenträgeraustausch obsolet, von der Zeitersparnis ganz zu schweigen. Änderungen von den Außenstellen wurden direkt auf dem zentralen Datenbestand ausgeführt, zum Beispiel Buchungen von Platzreservierungen bei der Bahn oder Buchungen von Reisebüros. Ende der 60er Jahre beauftragte eine Abteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums - diese Abteilung hieß Advanced Research Project Agency oder kurz ARPA1.3 - mehrere amerikanische Universitäten und Computerhersteller, geeignete Datennetzkonzeptionen zu entwickeln. Dieses Gemeinschaftsprojekt, das unter der Bezeichnung ARPANET firmierte, führte 1969 zum Testlauf eines ersten sternförmigen Datennetzes mit vier Netzknoten (siehe Abbildung 1.1), das über mehrere Dutzend parallel geschalteter Telefonleitungen eingerichtet wurde1.4.

Abbildung 1.1: Das Anwachsen des ARPANETS. (a) Dezember 1969, (b) Juli 1970, (c) März 1971, (d) April 1972 und (e) September 1972.

Ein Charakteristikum des ARPANETs war die praktisch unbegrenzte Entfernung. Es handelte sich dabei um einen Netztyp, der heute unter dem Namen
Wide Area Network
oder kurz und knapp
WAN
geläufig ist. Das ARPANET wuchs und wuchs im Laufe der folgenden Jahre, heute stellt ARPANET ein weltumspannendes Netz dar mit tausenden von Netzknoten, über das weltweit mehrere 100.000 Benutzer kommunizieren. ARPANET ist heute unter dem Namen INTERNET in aller Munde. Parallel zu dieser Entwicklung nahm der Siegeszug der Mikrocomputer (PC) Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre seinen Lauf. Die Mikrocomputer wurden - und werden - immer preiswerter, dafür aber umso leistungsfähiger. Durch das Engagement der IBM auf dem Mikrocomputermarkt zu Beginn der achtziger Jahre wurden mehr und mehr Büroarbeitsplätze mit diesem Arbeitsmittel ausgerüstet. Zu Beginn waren dies Ein-Platz-Rechner1.5, ohne Netzanbindung an andere Arbeitsplätze oder gar Mainframes. In sehr vielen Fällen bestand auch im Personal Computer Umfeld die Notwendigkeit und der Bedarf nach Integration in die Mini- und/oder Großrechnerwelt, denn Mitarbeiter sollten ja auch in der Lage sein, von ihrem PC aus auf Datenbestände eines firmeneigenen Großrechners zugreifen zu können. Durch die Forderung nach der Vernetzung dieser Systeme innerhalb eines Unternehmens wurde der erste Anstoß zur Entwicklung lokaler Rechnernetze gegeben, die also auf ein Firmengelände beschränkt sind. Im Fachjargon nennt man solche Netze
Local Area Networks
oder kurz,
LAN
Die Firmen Xerox, Intel und DEC entwickelten aufgrund der oben erwähnten Notwendigkeiten das erste lokale Rechnernetz, das auch heute noch gute Dienste leistet und unter dem Namen ETHERNET bekannt ist. Dies begann im Jahre 1973, als Robert Metcalfe1.6 beim MIT in Boston, Massachusetts, ein Konzept für ein genormtes Netzwerk-Protokoll für lokale Netzwerke entwickelte. Eine Forschergruppe bei XEROX PARC entwickelte auf dieser Grundlage ein LAN, das sich die Firma XEROX unter dem Namen ETHERNET eintragen ließ, das Unternehmen INTEL steuerte die Hardware bei durch die Entwicklung eines speziellen ETHERNET-Steuerchips. ETHERNET brachte jedoch (leider) keine Standardisierung in die Datenübertragung. Big Blue hatte natürlich auch hier seine Finger im Spiel und entwickelte in der Züricher Entwicklungslabors sein eigenes LAN, das ebenfalls als Quasi-Standard gilt. Dieser Netzwerktyp ist unter dem Namen ''Token Ring'' bekannt. Im weiteren Verlauf der Entwicklung haben sich weitere ''Netzwerkstandards'' etabliert, so daß heutzutage jede Menge verschiedene inkompatible Netzsysteme existieren.

Abbildung 1.2: Aufbau eines lokalen Netzwerkes.


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Yasar Arman
2000-05-15