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Entstehungsgeschichte

Mondlandung und Internet haben eins gemeinsam, sie resultieren beide aus dem Sputnikschock der US-Regierung im Jahre 1957 und beide Projekte hatten um 1969 ihren ersten großen Erfolg, obwohl das Internet erst viel später so richtig in das Bewußtsein der Öffentlichkeit trat. Weitere, detailliertere Informationen über die Geschichte des Internets findet man in [23,49,52,57]. Die Advanced Research Projects Agency (kurz auch ARPA genannt) spielte bei der Entwicklung des Internets eine zentrale Rolle. Diese Behörde vergab Forschungsgelder und war daher führend an der Entwicklung dessen beteiligt, was heute unter dem Begriff Internet bekannt ist. Aus der Vorreiterrolle, die ARPA zu Beginn der Entwicklung innehatte, resultiert auch der Name ARPANET, der ursprüngliche Name des Internets.

Abbildung 7.1: J.C.R Licklider.

Im Jahre 1962 erschien am MIT eine These des Psychologen Joseph Carl Robnett Licklider (1915 - 1990), in der die Vision eines 'galaktischen Netzes' konkretisiert wurde. Klar, zu der damaligen Zeit reine Science Fiction, heute als World Wide Web Realität. Das Ziel von ARPA - bei der Licklider als Leiter des Information Processing Techniques Office (IPTO) arbeitete - war, Computer miteinander zu vernetzen. Dieses Ziel war abseits zum damaligen Trend der Computerindustrie, die Rechner schneller und leistungsfähiger zu machen. Zur Realisierung solcher Visionen bedurfte es konkreter Hardware- und Softwarelösungen. Die naheliegende Nutzung des Telefonsystems erwies sich als ungeeignet. Bereits im Jahre 1961 hatte Leonard Kleinrock am MIT ein Arbeit über das sogenannte Packet Switching publiziert. Kleinrock konnte Larry Roberts zur Mitarbeit am ARPA Projekt überreden; Kleinrocks Packet Switching Technologie wurde als grundlegendes Konzept der Datenübertragung eingesetzt. Im Juni 1968 wurde das Projekt ARPANET abgesegnet und es konnte mit der Beschaffung der notwendigen Hardware losgelegt werden. Dies waren die sogenannten Interface Message Processors (IMP). In der heutigen Terminologie waren dies Router, deren Aufgabe die Verbindung der unterschiedlichsten Hostrechner war. Die ARPA beauftragte im Dezember 1968 die Consulting Firma Bolt, Beranek & Newman (BBN) in Cambridge, Massachusetts - bei der auch Licklider gearbeitet hatte - mit dem Umbau von vier Honeywell DDP-516 zu IMPs. Der Vorteil dieser Architektur war, daß die Kommunikation über ein homogenes Netz lief (alle Knoten werden von den IMPs gebildet), um die Unterschiedlichkeiten der Hostrechner zu berücksichtigen, mußte nur die betriebssystemspezifische Software Host $ \Longleftrightarrow$ IMP geschrieben werden. Das ARPANET entstand nicht primär aus der Anforderung des Militärs heraus, eine Kommunikationsinfrastruktur zur Verfügung zu haben, die auch einen Atomschlag unbeschadet überlebt. Dennoch werden es die Konsequenzen aus der Dezentralisierung leichter gemacht haben, so manche Geldquelle bei der US-Regierung anzuzapfen. Primärer Grund für den Aufbau eines solchen Netzes war, den Wissenschaftlern an verschiedenen Universitäten im Land eine Kommunikationsplattform zu Verfügung zu stellen, damit diese ihre Ergebnisse schneller und effektiver austauschen können. Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß von Larry Roberts vier Universitäten in Kalifornien als erste Netzknoten ausgesucht wurden, zumal dort auch das notwendige Know-How vertreten war. Die ARPA selbst war ja ein rein organisatorisch tätiges Gremium, das Geldmittel beschaffte, Aufträge vergab und das Gesamtprojekt koordinierte. Ausgewählt wurden das Stanford Research Institute, die University of Utah, die University of California at Los Angeles (UCLA) und Santa Barbara. An der UCLA befand sich die Arbeitsgruppe von Kleinrock, die im Auftrag der ARPA das Network Measurement Center aufbaute. Das SRI wurde auserkoren, weil dort Douglas Engelbart arbeitete, der 1963 die Maus erfand und an einem Hypermedia System forschte. An den beiden anderen Universitäten waren Arbeitsgruppen vertreten, die sich mit interaktiver Grafik befaßten. Zwei Tage vor dem vereinbarten Termin, konnte BBN am 30. August 1969 den ersten IMP an die UCLA ausliefern, am 1.Oktober 1969 folgte der zweite IMP-Knoten beim SRI, die erste Nachricht wurde Anfang Oktober zwischen der UCLA und dem SRI übertragen. Im Monatsrythmus ging es dann weiter, im November wurde der dritte Hostrechner an der University of California at Santa Barbara (UCSB) angeschlossen, im Dezember 1969 war dann Utah an der Reihe. Von da an gings bergauf. Im April 1969 wurde das erste RFC - Request for Comments - von Steve Crocker veröffentlicht, in dem die Kommunikation zwischen den IMPs und den Hostrechnern festgelegt wurde. In den RFC sind die Standards des Internets dokumentiert. Bis zum Juli dieses Jahres (1999) sind mittlerweile 2.600 RFCs erschienen. Seit 1983 ist TCP/IP das Standard Protokoll des Netzes. Vom E-Mail bis zum World Wide Web sind im Laufe der Zeit viele Anwendungen hinzugekommen. In den letzten Jahren ist das Internet (gelinde gesagt) enorm gewachsen. Die Zahl der angeschlossenen Hosts betrug im Jahre 1970 gerade mal sieben, im Jahre 1984 gab es etwa 1.000 Host-Rechner im Netz. Fünf Jahre später, 1989 waren es schon mehr als 100.000. 1992 wurde die Millionengrenze erreicht, im 1994 waren 3,2 Millionen Hostrechner mit 20 Millionen Benutzer im Netz, im Juli 1998 gibt es 367.390.000 Hosts.
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Yasar Arman
2000-05-15